WAS IN DER ZEITUNG STEHT


"Auf die Hecke kommt es an"

"Skotty" der Eismann gibt Tipps im Werkhof

HOHENLIMBURG. (sg) Wer hätte das gedacht? Es gibt ihn immer noch, den fahrenden Eisverkäufer, der seine verheißungsvolle Kühltruhe altmodisch, aber pragmatisch vor den Drahtesel spannt und durch die Vororte chauffiert. "Skotty" ist einer der letzten waschechten "Eismänner" des Kohlereviers.

Am Freitag machte sein antiquarisches Gespann Halt unterm Schlossberg, um eine erlesene Auswahl Hohenlimburger Feinschmecker zu bewirten. Jene, die trotz winterlichen Schmuddelwetters den Weg in das Kulturzentrum an der Herrenstraße fanden, beschenkte der Comedian indes nicht nur mit winterlichen Eiskreationen, sondern auch mit abwechslungsreichen Kostproben eines aufgeweckten Ruhrpott-Humors.

Mit kräftig-derber Stimme erwies sich "Skotty" als bissiger Analytiker einer mitunter eigenwilligen Gesellschaft. Im authentischen, rot-weiß gestreiften Zweireiher strampelte sich der Humorist von musikalischen Eskapaden zu tiefenpsychologischen Erkenntnissen rund um die sahnige Versuchung im Waffelhörnchen. Stets zu einem Lied auf der geliebten Trompete aufgelegt, komponierte "Skotty" der Eismann ein kurzweiliges musikalisches Sahnestück zwischen rauem Ruhrpottcharme und der Nostalgie vergangener Zeiten.

Mit Amarena und Armstrong, Malaga und Miles versuchte der selbsternannte "Herr der Waffeltüten", der im echten Leben Christoph Kott heißt und aus Bottrop stammt, mit frostigen Süßspeisen und musikalischen Appetithäppchen auf der Trompete den Winter zu vertreiben.

Frech und vorwitzig unterrichtete er ein begeistertes Publikum in der Kunst des professionellen Eisverkaufs. "Beige Klinkerfassaden an spießigen Doppelhaushälften, Akkulaubsauger und in kitschige Fachwerkverkleidungen gehüllte Mülltonnen: Nichts wie weg", so der Tipp des Profis, der seine Klientel an den Vorgärten bemisst. "Es kommt auf die Hecken an", sagt Skotty, der in den ungepflegten Arbeitersiedlungen seiner Heimatstadt das wahre Geschäftspotential wittert. Dabei würde die finanzstärkste Zielgruppe oft sträflich vernachlässigt.

"Die dritte Runde macht’s", weiß der Experte, und tourt auch abends um halb zehn vorbei an den verwilderten Gärten der Siedlungen. Dann, wenn sich "Eltern, Rentner und Sozialhilfeempfänger" etwas gönnen möchten. "Jetzt weißt du, wo der Frosch die Locken hat".

Alle Praxistipps bedürfen indes einer Portion Theorie. Doch widmet sich Eismann Christoph Kott der ewigen Frage nach "guter Musik", schon verliert er sich in amüsanten Gedankenspielen rund um seine blecherne "bessere Hälfte". Wenn Skotty an verschimmelte Käsestullen und Ritter Pils denkt, erinnert er sich an die erste Begegnung mit seiner großen Liebe – der Trompete. "Da lag sie dann, so klein, so empfindsam, im Samtbett wie Dornröschen im Zauberschlaf", als er sie in der Wohnung eines raubeinigen osteuropäischen Nachbarn entdeckte. Nach harten Verhandlungen wechselte das gute Stück für einen Kasten Bier inklusive gut gefülltem "Flachmann" den Besitzer und schrieb den Beginn einer musikalischen Liebesgeschichte. Auch wenn der Katzenkorb des Stubentigers Uwe als Schalldämpfer herhalten musste, "Skotty" hatte in Trompete "Dagmar" eine Wegbegleiterin gefunden, die ihm auch unter den Schlossberg folgte.

Mit vorlautem Charme und einer großen Portion Offenherzigkeit animierte er sein Hohenlimburger Publikum schließlich sogar zu einem Chorgesang nach traditionellen Weihnachtsmelodien.

Nur der Text wurde frei der Kott'schen Ruhrpottschnauze "alltagstauglicher": "Der Stuhlgang ist gelungen".

Zurück zur Übersicht